Thema: Entlastung durch das Testergebnis?

Jasmin, 29 Jahre

Als ich 25 Jahre alt war, waren meine Oma mütterlicherseits, meine Mutter und meine Tante bereits an Brustkrebs erkrankt. Alle drei erkrankten innerhalb von 3 Jahren.
Durch einen Familienangehörigen, der selber Gynäkologe ist, wurde in die Wege geleitet, dass ich mich in einer Klinik vorstelle, die anstrebt, zertifiziertes Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs zu werden. Von dem Angehörigen erfuhr ich weiter, dass es in Deutschland 12 Zentren an Kliniken gibt, die sich speziell mit diesem Thema befassen. 
Von meiner niedergelassenen Frauenärztin erfuhr ich diesbezüglich leider nie etwas.
In der Klinik sprach ich mit einer Humangenetikerin und fand die wissenschaftliche, sachliche Art, in die die für mich existenziellen Themen verpackt wurden, erschlagend. Mir wurde mit gerade mal 25 Jahren gesagt, dass ich als Hochrisikopatientin gelte, dass ich statistisch ein Erkrankungsrisiko von beinah 40 Prozent habe und dass nicht auszuschließen ist, dass in der Familie eine BRCA 1- oder BRCA 2- Mutation vorliegt und wenn dies der Fall wäre und ich davon betroffen sei, so hätte ich aber die Option mir meine Brüste amputieren und meine Eierstöcke entfernen zu lassen um somit einer Erkrankung zu entgehen. 
Weiter wurde mir gesagt, dass ein Gentest notwendig wäre um festzustellen, ob eine Mutation vorliegt oder nicht, dass die Auswertung des Tests bis zu 7 Monaten dauern würde und dass es sinnvoll sei, dass sich zuerst meine Mutter testen lässt. Würde bei ihr eine Mutation gefunden, könnte ich mir überlegen mich auch testen zu lassen, für mich würde es dann 50:50 stehen, dass ich ebenfalls eine Mutation habe.
Da diese Klinik noch nicht zertifiziert ist als Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs und somit auch keinerlei Kosten von der Krankenkasse übernommen wird, kam ich durch den Verwandten an das weiter weg gelegene Zentrum für familiären Brust- und Eierstockkrebs in Köln wo eine Beratung für meine Mutter, meine Cousine und mich durchgeführt wurde und am Ende ließ sich meine Mutter Blut abnehmen um eine genetische Testung durchführen zu lassen. 
Das Warten auf das Ergebnis empfand ich als sehr belastende Zeit mit vielen offenen Fragen die durch meinen Kopf spukten, wie etwa „Was mache ich, wenn sie eine Mutation hat? Lasse ich mich dann auch testen oder nicht? Würde ich es aushalten zu wissen eine BRCA 1- oder 2-Mutation zu haben? Würde ich es aushalten zu wissen, dass ich erkranken werde? Würde ich im Falle einer eigenen Mutation den Mut haben die Präventivmaßnahmen zu treffen, nämlich Brust ab und Eierstöcke raus?“ 
In dieser Zeit erlebte ich den Fluch und Segen der so genannten modernen Medizin sehr deutlich. Zum einen kann ein Gentest vor der jeweiligen Erkrankung schützen, zum anderen muss man aber fähig sein die daraus resultierenden Konsequenzen tragen zu können und am Ende dachte ich auch immer wieder: und vielleicht bekomme ich eine ganz andere Erkrankung an der ich sterbe und dann war alles umsonst? Oder werde vom Auto überfahren?
Nach langen 8 Monaten bekam meine Mutter Bescheid, dass das Ergebnis vorliegt- es war keine BRCA- 1 oder 2 Mutation gefunden worden, entgegen aller Prognosen der Ärzte. 
Erleichtert war ich in diesem Moment nur bedingt, die Anspannung der vorangegangenen Monate hing mir sehr nach und man teilte uns mit, dass das Blut meiner Mutter aufgehoben werde, falls noch andere Mutationen gefunden würden, die Brust- bzw. Eierstockkrebs verursachen können.
zweimal jährlich fahre ich nun nach Köln und lasse mich dort untersuchen.

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