Zwischen Angst und Selbstbestimmung: Leben mit erhöhtem Brustkrebsrisiko

Oktober 2026 - Die BR-Dokumentation „Tu ich’s – Soll ich mir die Brüste entfernen lassen?“ begleitet eine junge Frau mit BRCA2-Genveränderung. Ihr persönlicher Weg zeigt, vor welchen schwierigen Entscheidungen Menschen mit einem erblich erhöhten Brustkrebsrisiko stehen – und wie wichtig Information, Beratung und Austausch mit anderen Betroffenen sind. Die Diagnose Brustkrebs verändert das Leben. Doch auch die Nachricht, ein deutlich erhöhtes erbliches Risiko für Brustkrebs zu tragen, kann vieles auf den Kopf stellen. Plötzlich geht es um Fragen, die weit über die Medizin hinausreichen: Wie möchte ich mit diesem Risiko leben? Welche Möglichkeiten habe ich? Und welche Entscheidung fühlt sich für mich persönlich richtig an?
Eine solche Situation erlebt die 35-jährige Vanessa. Sie ist glücklich verheiratet, Mutter zweier Kinder und berufstätig. Ein Gentest verändert ihr Leben schlagartig. Sie erfährt, dass sie Trägerin einer BRCA2-Genveränderung ist. Damit beträgt ihr Risiko an Brustkrebs zu erkranken rund 70 Prozent. Auch die Wahrscheinlichkeit für Eierstockkrebs liegt bei ihr weit über dem Durchschnitt.
Vanessa muss sich deshalb mit einer Entscheidung auseinandersetzen, die viele Frauen mit einer erblichen Krebsbelastung kennen: Soll sie sich vorsorglich das Brustgewebe entfernen lassen oder sich für eine engmaschige Früherkennung entscheiden?

Keine Entscheidung von der Stange

Der Film macht sichtbar, wie persönlich diese Entscheidung ist. Eine prophylaktische Brustoperation kann das Erkrankungsrisiko deutlich reduzieren. Gleichzeitig bedeutet sie einen erheblichen Eingriff in den eigenen Körper und kann Fragen zur Weiblichkeit, zum Körperbild, zur Sexualität und zur eigenen Identität aufwerfen. Die Alternative ist eine intensivierte Früherkennung. Sie ermöglicht es, mögliche Veränderungen möglichst früh zu entdecken. Doch mit dieser Entscheidung bleibt auch die Gewissheit bestehen, ein erhöhtes Risiko zu tragen.
Beides sind unterschiedliche Wege, mit dem eigenen Krebsrisiko umzugehen. Einen für alle Betroffenen gleichermaßen richtigen Weg gibt es nicht.
Entscheidend ist deshalb, dass Betroffene ihre Möglichkeiten kennen und ausreichend Zeit haben, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Medizinische Beratung, genetische Beratung und psychoonkologische Unterstützung können dabei wichtige Orientierung geben. Ebenso wichtig kann der Austausch mit Menschen sein, die vor ähnlichen Entscheidungen stehen oder sie bereits getroffen haben.

Wissen kann Sicherheit geben – aber auch neue Fragen aufwerfen

Eine genetische Untersuchung kann bei entsprechender familiärer Belastung klären, ob eine krankheitsrelevante Veränderung beispielsweise in den Genen BRCA1 oder BRCA2 vorliegt. Für Betroffene und ihre Familien kann dieses Wissen wichtig sein. Es kann ermöglichen, Vorsorge und Früherkennung individuell anzupassen und gegebenenfalls weitere Familienmitglieder auf ihr Risiko aufmerksam zu machen. Doch ein Testergebnis ist nicht das Ende der Entscheidungsfindung. Im Gegenteil: Für viele beginnt damit ein neuer Abschnitt, in dem sie sich mit ihrem persönlichen Risiko und verschiedenen Handlungsoptionen auseinandersetzen müssen. Genau hier setzt die Arbeit des BRCA-Netzwerks an. Menschen mit familiärem und erblichem Brust- und Eierstockkrebsrisiko finden dort Informationen, Unterstützung und die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen. Denn neben medizinischem Wissen ist es häufig auch die Erfahrung anderer, die hilft, die eigene Situation zu verstehen und den persönlichen Weg zu finden.

Betroffene brauchen mehr als medizinische Fakten

Zum Weltbrustkrebstag am 1. Oktober hat die ARD den Themenschwerpunkt „Brustkrebs: Der Kampf um Heilung und Hoffnung“ gestartet. In Fernsehen, Audio, Web und Social Media geht es unter anderem um Diagnose und Therapie, Früherkennung, genetische Risiken und den Umgang mit Brustkrebs. Die Geschichte von Vanessa lenkt den Blick dabei auf eine Gruppe von Menschen, deren Herausforderungen häufig lange vor einer möglichen Krebsdiagnose beginnen: Frauen und Männer, die wissen, dass sie aufgrund einer genetischen Veränderung ein erhöhtes Krebsrisiko tragen. Für sie geht es nicht nur um die Frage, wie Krebs behandelt werden kann. Es geht auch darum, wie man mit der Angst vor einer Erkrankung lebt, wie Entscheidungen über den eigenen Körper getroffen werden können und wie sich ein erhöhtes Risiko in den eigenen Lebensentwurf integrieren lässt.
Betroffene brauchen deshalb nicht nur medizinische Möglichkeiten, sondern auch Zeit, verständliche Informationen, persönliche Beratung und den Austausch mit anderen. Gezeigt wird eindrücklich, dass hinter einer medizinischen Entscheidung immer ein persönlicher Lebensweg steht. Und sie macht deutlich: Selbstbestimmung bedeutet nicht, eine schwierige Entscheidung allein treffen zu müssen.

Die Dokumentation „Tu ich’s – Soll ich mir die Brüste entfernen lassen?“ ist in der ARD Mediathek zu sehen.
Link zur Doku
Zum gesamten ARD Gesund Themenschwerpunkt

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