Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren e. V.
Berlin, 16. September 2025 – Die 26. Netzwerktagung für Qualität und Versorgung in der Onkologie startete mit einem inhaltlich vielfältigen und intensiv diskutierten ersten Veranstaltungstag. Wie in der Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren e. V. mitteilt, lautet das Fazit: Die strukturierte Nutzung versorgungsnaher Daten sowie deren gezielte Verknüpfung sind Schlüssel für die Weiterentwicklung einer patientenorientierten, evidenzbasierten Onkologie.
Die Tagung bringt Experten aus Krebsregistern, zertifizierten Zentren, Tumorzentren, CCCs, Fachgesellschaften, Politik, Forschung und Selbsthilfe zusammen – mit dem Ziel, die Qualität der Versorgung auf Basis belastbarer Daten darzustellen und zu verbessern.
Gesundheitsdaten im Fokus der Politik
In seiner Keynote betonte Tino Sorge, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, die zentrale Rolle von Gesundheitsdaten für Versorgung, Forschung und politische Entscheidungsfindung.Er hob hervor, dass eine koordinierte Datenstrategie – national wie europäisch – entscheidend sei, um Innovation zu ermöglichen und Versorgung zu verbessern: „Wir brauchen einen Weg vom Datensilo zur Datenlandschaft – mit echtem Mehrwert für Ärzte sowie Patienten. Wir müssen koordinierter Daten zusammenfügen und die bestehenden Chancen nutzen. Das ist auch die Strategie des Nationalen Krebsplans und der Dekade gegen den Krebs“, so der Parlamentarische Staatsekretär.
PLATO 2 – Datenressourcen gezielt nutzbar machen
Ein inhaltlicher Schwerpunkt von Tag 1 lag auf dem Projekt PLATO 2. Der Kompetenzverbund PLATO 2 soll dazu beitragen, bestehende und entstehende Datenressourcen im Bereich der Onkologie besser zugänglich und effizienter nutzbar zu machen – unter anderem durch Beratung und Unterstützung, gezielte Vernetzung sowie zielgerichtete Forschung.
20 Jahre BOQK – Daten mit Versorgungsrelevanz
Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Bundesweiten Onkologischen Qualitätskonferenz (BOQK) wurde ein Überblick über die Entwicklung und die Ergebnisse der Analysen von Krebsregisterdaten gegeben. Die Ergebnisse zeigen: Die kontinuierliche Erfassung und Nutzung versorgungsnaher Daten liefert konkrete Hinweise für Verbesserungen in Diagnostik, Therapie und Nachsorge – und bildet eine wichtige Grundlage für Qualitätssicherung und Weiterentwicklung onkologischer Leitlinien.
Die präsentierten Auswertungen basieren auf über 3,8 Millionen Daten von an Krebs erkrankten Menschen aus den Jahren 2000–2022 und umfassen mittlerweile 17 Tumorentitäten. Die Auswertung der Daten nach Qualitätsindikatoren der Leitlinien – gemeinsam mit den Krebsregistern – liefert wertvolle Erkenntnisse. Gleichzeitig können Rückmeldungen gegeben werden, die die Datenqualität weiter verbessern können, was das große Potenzial deutlich macht, das zur Verfügung steht.
Dialog zwischen Versorgung und Forschung
In den Podiumsdiskussionen wurden Perspektiven aus der Versorgungspraxis, Versorgungsforschung, Patientenvertretung, Politik und Registerarbeit eingebracht. Deutlich wurde dabei: Inter- und multidisziplinäre Expertenteams, bestehend aus Methodikern, Klinikern, zertifizierten Tumordokumentierenden werten bereits heute versorgungsnahe Daten aus.
Die Abbildung onkologischer Therapien durch versorgungsnahe Daten der Krebsregister ist möglich. Dies zeigt die Bundesweite Onkologische Qualitätskonferenz, welche durch Leitlinienkommissionen anfragbar ist. Die Analysen sind nutzbar für offene Forschungsfragen und politische Entscheidungsfindung. Es braucht interoperable Systeme zur effektiveren Dokumentation und Zusammenführung von Daten und Initiativen. Dazu wurde im Nationalen Krebsplan aus der Querschnittsarbeitsgruppe Qualität und Vernetzung eine AG Interoperabilität auf den Weg gebracht.
- Dringend erforderlich ist zudem, dass über die Krebsregisterdaten hinaus weitere Datenquellen genutzt werden können und müssen. Registerdaten reichen für die oftmals sehr detaillierten Fragen aus der Versorgung oft nicht aus. Deshalb kam seitens der Diskutierenden der nochmalige Appell, die Plattform der Stufe 2 (PLATO 2) zeitnah umzusetzen. Nur so können wir in Deutschland und auch europaweit valide datengestützte Erkenntnisse aus der realen Versorgung erhalten.
Am zweiten Veranstaltungstag erwartete die Teilnehmenden eingereichte Beiträge zu den Themenfeldern „Tumordokumentation im Wandel“, „Registerdaten für Wissenschaft und Versorgung - Analysen und Impact“ sowie „Datenintegration, Interoperabilität und Versorgungsrelevanz“. Am letzten Tagungstag standen Fort- und Weiterbildungen in Zusammenarbeit mit dem Doku-Netzwerk der Plattform § 65c zu verschiedenen Themen wie z.B. zur Dokumentation des Zentralen Nervensystems und zum Dokumentationsleitfaden „Manual Plus“ auf der Tagesordnung. Ebenso waren Aktuelles zum oBDS und seinen entitätsspezifischen Modulen - gynäkologische und gastrointestinale Tumoren – Inhalt.